Linstow, September 2026 – Auf dem 28. DWT-Marineworkshop in Linstow vom 28. bis 30. September 2026 haben wir gezeigt, wie sich maritime Taktiken nicht nur simulieren, sondern unter adaptivem Gegnerdruck systematisch evaluieren lassen – mit reproduzierbaren Szenarien, klaren KPIs und einem schrittweisen Übergang von Simulation zu realen Demonstratoren.
Ein Schwarm unbemannter Überwasserfahrzeuge nähert sich einem Verband. In einer klassischen Simulation folgt der Gegner einem vorgegebenen Verhalten: Er greift aus einer erwarteten Richtung an, reagiert auf definierte Gegenmaßnahmen und bewegt sich innerhalb des Szenarios, das zuvor entworfen wurde.
Das ist für viele technische Tests sinnvoll. Doch für die Bewertung taktischer Wirksamkeit reicht es nicht aus. Denn im Einsatz trifft eine militärische Fähigkeit nicht auf ein Skript. Sie trifft auf einen Gegner, der beobachtet, reagiert, täuscht und seine Vorgehensweise verändert. Genau deshalb lautet die entscheidende Frage nicht nur: Funktioniert unsere Taktik im vorgesehenen Szenario? Sondern: Wie robust bleibt sie gegen unterschiedliche gegnerische Reaktionen, und welche operative Wirkung erzielt sie dabei?
Diese Frage stand im Mittelpunkt unserer Poster-Session „Intelligent Maritime Swarming: Adaptive Red Forces zwischen Simulation, LVC und realer Autonomie“, die wir gemeinsam mit Martin Michaelis und Dr. Armin Brandstetter beim DWT-Marineworkshop vorgestellt haben.
Vom Funktionstest zur taktischen Evaluierung
Geskriptete Gegner haben ihren Platz. Sie schaffen nachvollziehbare und reproduzierbare Bedingungen, eignen sich für das Training definierter Abläufe und ermöglichen gezielte technische Tests. Ihre Aussagekraft für taktische Evaluierung ist jedoch begrenzt. Denn das gegnerische Verhalten bleibt innerhalb jener Annahmen, die zuvor in das Szenario eingebaut wurden.
Damit lässt sich beispielsweise zuverlässig prüfen, ob ein Sensor ein erwartetes Ziel erkennt oder eine Plattform auf eine definierte Bedrohung reagiert. Schwieriger wird die Frage, ob das gesamte taktische Konzept auch dann trägt, wenn der Gegner von diesen Erwartungen abweicht.
Genau hier setzt Adaptive OPFOR an. Ein Gegner wird nicht mehr nur als Bestandteil des Szenarios behandelt, sondern als handelnder Akteur. Er kann auf Entscheidungen der eigenen Kräfte reagieren, sein Vorgehen verändern und unterschiedliche Handlungsoptionen ausprobieren. Dadurch werden Annahmen sichtbar, die in rein geskripteten Szenarien möglicherweise unentdeckt bleiben.
Adaptive OPFOR ist damit kein Selbstzweck. Es ist ein Instrument, um taktische Konzepte systematisch unter Druck zu setzen.
Taktik im maritimen Operationsraum
Im maritimen Operationsraum wächst die Zahl möglicher Wechselwirkungen schnell. Sensorreichweiten, Sichtlinien, Hydrographie, Signalausbreitung, Geschwindigkeit und Manövrierfähigkeit bestimmen, wer wen wann erfassen kann und welche Wirkung überhaupt möglich ist. Mit unbemannten Systemen und Schwärmen kommen zusätzliche Freiheitsgrade hinzu. Damit steigt nicht nur die Zahl möglicher eigener Handlungen, sondern auch die Zahl möglicher gegnerischer Reaktionen.
Ein festes Skript kann immer nur einen kleinen Ausschnitt dieses Verhaltensraums abbilden. Je komplexer das Szenario wird, desto wichtiger wird deshalb die Fähigkeit, unterschiedliche Gegnerreaktionen systematisch zu erzeugen und zu untersuchen.
tactics21™: Adaptive Gegner als integraler Teil der Evaluierung
Mit tactics21 schaffen wir einen virtuellen Zwilling militärischer Einsatzumgebungen, in dem Taktiken, Systeme und Missionskonzepte unter gegnerzentrierten Bedingungen erprobt werden können. Blue und Red Forces agieren nicht lediglich entlang eines festgelegten Ablaufs. Sie können aufeinander reagieren, ihr Verhalten verändern und unterschiedliche Handlungsoptionen ausprobieren. Damit verschiebt sich die Rolle der Simulation.
Simulation dient dann nicht nur dazu, einen Missionsverlauf darzustellen. Sie wird zu einer Umgebung, in der taktische Annahmen systematisch geprüft und miteinander verglichen werden können. Der entscheidende Punkt ist dabei nicht die einzelne Simulation, denn einzelner Szenariolauf hat nur geringe Aussagekraft.
Belastbare Aussagen entstehen erst dann, wenn taktische Varianten unter vergleichbaren Bedingungen wiederholt werden können und ihre Ergebnisse anhand klar definierter Kennzahlen bewertet werden.
tactics21 ermöglicht eine große Zahl reproduzierbarer Szenarioläufe. Dabei können beispielsweise Missionserfolg, Reaktionszeiten, Ressourceneinsatz, Verluste, Überlebensfähigkeit und Robustheit gegenüber verändertem Gegnerverhalten ausgewertet werden. So entsteht aus einer Demonstration eine Evaluierung.
Unterschiedliche Taktiken können unter denselben Bedingungen verglichen werden. Systemkonfigurationen lassen sich gegeneinander benchmarken. Es wird sichtbar, welche Annahmen besonders empfindlich sind, wo ein Konzept an seine Grenzen stößt und welche Kombination von Fähigkeiten tatsächlich den größten Beitrag zur operativen Wirkung leistet.
Der adaptive Gegner spielt dabei eine zentrale Rolle. Er reproduziert nicht nur das erwartete Verhalten, sondern setzt das eigene Konzept systematisch unter Druck. Das Ziel ist dabei nicht, den realen Gegner exakt vorherzusagen. Der adaptive Gegner dient vielmehr als taktischer Stresstest: Er erweitert den untersuchten Verhaltensraum und hilft dabei, robuste von fragilen Konzepten zu unterscheiden.
Nicht nur fragen, ob ein System funktioniert
Gerade für die Systembewertung ist dieser Perspektivwechsel wichtig. Militärische Beschaffung betrachtet traditionell viele Eigenschaften einzelner Systeme: Reichweite, Genauigkeit, Geschwindigkeit, Verfügbarkeit oder Sensorleistung. Diese Werte bleiben wichtig. Doch sie beantworten nicht automatisch die Frage, welchen Beitrag ein System im Verbund tatsächlich leistet.
Ein Sensor kann technisch hervorragend funktionieren und dennoch zu spät zur Wirkung beitragen. Ein Effektor kann sein Ziel treffen und trotzdem falsch priorisiert worden sein. Eine autonome Plattform kann lokal optimal handeln und gleichzeitig dem übergeordneten Missionsziel wenig helfen. Der relevante Maßstab ist deshalb nicht allein technische Leistungsfähigkeit, sondern die operative Wirkung im Zusammenspiel mit anderen Fähigkeiten und unter Gegnerdruck.
Das entspricht der grundsätzlichen Logik von 21strategies: Militärische Überlegenheit entsteht zunehmend nicht durch das einzelne System, sondern durch die Qualität von Entscheidung, Koordination und Wirkung im Verbund.
Sim-to-Live: vom virtuellen Versuch zum realen Demonstrator
Simulation ist für uns der Ausgangspunkt, nicht das Ziel. Taktische Logik, die in einer virtuellen Umgebung entwickelt und evaluiert wurde, muss sich schrittweise unter realeren Bedingungen bewähren.
Über Sim-to-Live-Vorhaben haben wir diesen Übergang in mehreren Stufen untersucht: zunächst in Live-Virtual-Constructive-Umgebungen, anschließend auf realen Demonstratoren. Mit jeder Stufe kommen zusätzliche Unsicherheiten hinzu: Sensorrauschen, Kommunikationsbedingungen, reale Plattformdynamik oder physikalische Grenzen. Damit lässt sich prüfen, welche Teile der in der Simulation entwickelten Logik auch außerhalb der virtuellen Umgebung tragen und wo Anpassungen erforderlich werden.
Was das für die Streitkräfte bedeutet
Adaptive OPFOR ermöglicht es, eigene Konzepte nicht nur gegen erwartete Abläufe, sondern gegen veränderliches Gegnerverhalten zu testen. Reproduzierbare Szenarien schaffen Vergleichbarkeit. KPIs machen die Ergebnisse messbar. Damit können Streitkräfte Taktiken robuster entwickeln, Systeme belastbarer bewerten und Versuche gezielter vorbereiten. Die entscheidende Frage lautet dann nicht mehr nur:
Funktioniert das System?
Sondern:
Welche Taktik erzielt unter vergleichbaren Bedingungen die bessere operative Wirkung, und wie robust bleibt sie, wenn der Gegner anders handelt als erwartet?
Genau hier liegt die Aufgabe von tactics21.
TACTICS NEED BENCHMARKS.
Wie lautet Ihr maritimes Szenario?
Über 21strategies
21strategies ist ein europäischer Pionier für taktische künstliche Intelligenz und adversariales Lernen. Das Unternehmen entwickelt KI-basierte Entscheidungslogiken, die sowohl in autonomen Systemen als auch zur Unterstützung menschlicher Entscheider in hochdynamischen militärischen Lagen eingesetzt werden. Mit dem Defense Metaverse bietet 21strategies eine moderne und realitätsnahe Simulationsumgebung für das Training, die Bewertung und die operative Erprobung KI-gestützter militärischer Systeme.




